Homo floresiensis

Ich sage immer, es gibt zwei Gründe, warum Menschen im Westen von Flores gehört haben. Der eine sind die Komodowarane, die alles verspeisen, was ihnen zu nahe kommt, und der andere sind die sogenannten „Hobbits“. Zwar kann man die Liang-Bua-Höhlen, in denen der spektakuläre Fund 2003 gemacht wurde, nicht besichtigen, aber dies ist bei weitem der häufigste Grund, warum die Insel Flores in den westlichen Medien erwähnt wird.
Umso erstaunlicher ist es zu erfahren, daß seit einiger Zeit ein Streit um den Fund schwelt. Die ursprüngliche Expedition war offiziell ein australisch-indonesisches Joint venture, mit dem Nationalen Zentrum für Archäologie als Partner auf indonesischer Seite, wobei sicherlich die australische Seite finanziell und konzeptionell federführend war. Obwohl der Fund natürlich danach im Land verblieb, hat dies sicherlich einiges Stirnrunzeln bei manchen indonesischen Gelehrten ausgelöst. Im Dezember 2004 ließ (der mittlerweile verstorbene) Teuku Jacob, einer der prominentesten Paläoanthropologen Indonesiens, den Fund ohne Zustimmung der Direktoren des Zentrums für Archäologie in sein Institut an der Gadja-Mada-Universität in Yogyakarta überführen, und gab die Fundstücke im Jahr darauf im schwer beschädigten Zustand zurück.

An den Funden hat sich ein weltweiter akademischer Streit entzündet. Während das australische Forscherteam, das den Fund machte, annimmt, eine bisher unbekannte Spezies des Menschen („Homo floresiensis“) entdeckt zu haben, beharrte Jacob darauf, daß es sich bei dem Fund um einen Homo sapiens handele, der unter Mikrozephalie litt. Nun bin ich kein Paläoanthropologe, aber von dem, was ich mir zu dem Thema angelesen habe, habe ich den Schluß gezogen, daß im großen und ganzen die Mehrheit der internationalen Wissenschaftsgemeinde die Meinung des australischen Entdeckerteams teilt. Zwar findet Jacobs These vom mikrozephalen Homo sapiens auch ihre Anhänger, aber die befinden sich anscheinend in der Minderheit. Natürlich gibt es auch diejenigen, die zur Besonnenheit auf beiden Seiten mahnen, da zu weitreichende Annahmen aufgrund nur eines Skeletts nicht zu machen seien.

Ich habe hier ein paar weiterführende Links zum Thema gesammelt:

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