Ein Mord in Jakarta…

erregte gerade Aufsehen. Nasrudin Zulkarnaen, der Geschäftsführer eines staatseigenen Unternehmens wurde auf einem Golfplatz erschossen. Dahinter soll Antasari Azhar, der Vorsitzende der Anti-Korruptionskommission stecken, vermutet wird als Motiv Eifersucht. Daß jetzt mit der Anti-Korruptionskommission die Institution, der noch am meisten Vertrauen von den indonesischen Staatsbürgern entgegengebracht wird, zumindest mittelbar betroffen ist, wird für viele tragisch gewesen sein. Interessant ist aber noch, daß von den 9 Tatverdächtigen vier aus Flores stammen. Ihre Verteidiger sagsen, daß sie zu der Tat aufgehetzt wurden in dem Glauben, daß Zulkarnaen ein “Staatsfeind” sei und die Wahlen vom 9. April stören wollte. Mehr Informationen hier.

Mann von Komodowaranen getötet

Ein Mann, der beim Obstpflücken auf der Insel Komodo vom Baum fiel, wurde am 24. März von zwei Komodowaranen angefallen. Schwerverletzt erlag er im Krankenhaus in Labuan Bajo in West-Flores seinen Wunden. Angriffe von Komodowaranen sind rar, aber erregen stets Aufsehen in der Weltpresse (z.B. wurde der Ehemann von Sharon Stone, der Herausgeber des San Francisco Chronicle, 2001 im Zoo von Los Angeles von einem Komodowaran verletzt). Ihr Speichel enthält gefährliche Bakterien, die bei den Opfern tödliche Infektionen auslösen können.

Ein paar Links:

Goldrausch in Flores

Kupfer und Gold, so habe ich es auch schon mal gehört, soll es im Osten von Flores geben. In letzter Zeit häufiger in den Medien war die Kontroverse um die geplante Goldmine auf Lembata, einer Insel direkt östlich von Flores gelegen. Eine Bergbaufirma betreibt das Projekt, was in letzter Zeit zu immer größeren Protesten seitens der Bevölkerung, nun auch unterstützt durch die katholische Kirche, geführt hat. Schließlich hat die Kontroverse auch die internationale Presse erreicht: die Asia Times berichtet in einem ausführlichen Artikel detailliert über die Hintergründe des Streits. Demnach soll der Inhaber der Bergbaufirma von Geologen widerlegte Behauptungen in bezug auf die mögliche Fördermenge aufstellen, die wiederum den Bezirkspräsidenten für das Projekt eingenommen haben. Die ortsansässige Bevölkerung hingegen, die von einer solchen Mine nur mittelbar profitiert, sorgt sich um die natürlichen Umweltressourcen, auf die die Einheimschen dringend angewiesen sind und die von einem solchen Unterfangen gefährdet werden können. Nächstes Jahr stellt sich der Regierungspräsident zur Wiederwahl, einer seiner Gegner hat schon angekündigt, mit einem Antiminenprogramm gegen den Amtsinhaber zu kandidieren.


12. Dezember 1992

Im stillen Gedenken an das Erdbeben in Maumere vor 16 Jahren, bei dem mindestens 2.200 Menschen in Flores ums Leben kamen.

Kurzmeldungen

  • bei einem Erdrutsch in der Nähe von Labuan Bajo ist am Montag, d. 3. November ein Mensch ums Leben gekommen…
  • ein im September von einem tollwütigen Hund gebissener Grundschüler aus Ende ist gestorben. Laut Angaben der Gesundheitsbehörde bekam er die nötigen Impfungen nicht sofort nachdem er gebissen worden war.
  • Heinz Neuhaus, ein Priester des SVD-Ordens, gebürtig in Paderborn und seit fast 40 Jahren in Flores, ist im Alter von 79 Jahren in Ende gestorben. Auch ich hatte Gelegenheit, bei einem Besuch im Kloster St. Joseph in Ende einmal kurz mit Pater Neuhaus ein paar Worte zu wechseln.

Priester tot aufgefunden

Am 13. Oktober wurde der Kaplan der Kirchengemeinde Raja nahe Boawae, Nagekoe, auf der Straße zwischen So’a, Ngada und Boawae, tot neben seinem Motorrad aufgefunden. Während die Flores Pos vom 14. Oktober lediglich davon berichtet, daß die Leiche des seit zwei Tagen vermißten Opfers gefunden wurde, hat ein zu einem späteren Zeitpunkt erschienener Bericht bei NTT Online News die Polizei mit der Vermutung zitiert, daß es sich um Mitglieder einer enttäuschten Hochzeitsgesellschaft aus seiner Gemeinde handeln würde. Das Opfer hatte aufgrund von fehlenden Dokumenten die Eheschließung verweigert und so die Hochzeit platzen lassen. (Auch in weiteren Ausgaben bleibt die Flores Pos vorsichtiger in ihrer Berichterstattung, vor einigen Tagen meldete die Zeitung, daß die Polizei eine unnatürliche Todesursache festgestellt habe und nun aktiv Ermittlungen führe.)

Auch wenn es mir persönlich natürlich leid tut, hat diese Nachricht eine gewisse Erleichterung bei manchen hervorgerufen: es kursierte das Gerücht, das auch mich erreichte, daß der Priester von Straßenräubern vom Motorrad geholt worden war und von diesen ausgeraubt und anschließend erschlagen worden war. Dies bedeutet für diejenigen von uns, die häufig allein auf den Straßen der Insel unterwegs sind, daß wir uns um unsere Sicherheit keine Sorgen machen müssen. (Bis vor 10 Jahren waren Straßenräuber, allerdings keine Mörder, in der Gegend um Maumere herum aktiv, dies hat aber aufgrund der Zunahme der Anzahl der Autos auf den Straßen in Flores nachgelassen.)

Wasserversorgung

In vielen Gegenden von Flores ist die Wasserversorgung ein Problem. Dieser Zeitungsartikel beschreibt ein Projekt in Ostmanggarai, aber in vielen anderen Gebieten von Flores und angrenzenden Inseln wie Sumba sind mir auch Projekte bekannt, die sich mit dieser Problematik beschäftigen.  

Abgesehen davon gilt für den Reisenden: In den meisten Gebieten Flores wird darauf geachtet, daß das Wasser vorher abgekocht wurde, aber die von manchen Ärzten empfohlenen fünf bis sechs Minuten werden sicherlich in den meisten Fällen nicht eingehalten. Auch schmeckt das Wasser rauchig, wenn es Durch die Verfügbarkeit von in Flaschen abgepacktem Trinkwasser ist es für touristische Zwecke jedoch unnötig, Wasserfilter oder Wassertabletten mit sich zu führen.

Bischof von Manggarai verstorben

Der Bischof der Diozöse Ruteng, Eduardus Sangsung, ist am Montag an einem Herzinfarkt in der indonesischen Hauptstadt Jakarta gestorben. Er hatte seit April Kenntnis von seinem Herzleiden, weigerte sich laut Presseberichten jedoch, sich im Ausland einer Behandlung zu unterziehen und war zu diesem Zweck im Oktober nach Jakarta gekommen. Sein Leichnam wurde gestern nach Ruteng überführt, der Trauergottesdienst ist für den 17. Oktober in Ruteng angesetzt.

Drei Nachrichten aus dem Gesundheitsbereich

Malaria

Zunächst einmal erfreuliche Nachrichten aus Sumba, einer Insel, die südwestlich von Flores liegt und ebenfalls zur Provinz Nusa Tenggara Timur gehört. Wie ich einem Bericht des Tempo-Magazins entnehmen konnte, der online leider nicht verfügbar ist, gelang es der Sumba Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich dem Kampf gegen die Malaria verschrieben hat, in einem Pilotprojekt, die Infektionsrate mit Malaria effektiv zu senken, bei Kinderum um 84% und allgemein auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet um 74%. Das Konzept besteht aus einer Mischung aus kostenloser Behandlung und der Aushändigung von Präventivmitteln wie Moskitonetzen. Mehr Informationen hier. Dies ist eine sehr erfreuliche Nachricht aus einem ziemlich stark von Malaria betroffenen Gebiet, und läßt sich sicherlich auf ähnlich schwer betroffene Gebiete in Flores übertragen.

HIV/Aids

Laut einem Bericht der NTT-Onlinenews sind seit 1997 103 Personen in der Provinz Nusa Tenggara Timur an den Folgen von Aids verstorben. Leider liegen mir keine Vergleichsangaben vor, anhand deren man beurteilen könnte, ob dies besonders viel oder besonders wenig ist. Es gibt jedoch eine Aufschlüsselung in die verschiedenen Regierungsbezirke, die ich im folgenden – allerdings auf Flores beschränkt – hier wiedergebe:  

  • Am meisten im Regierungsbezirk Sikka (Maumere): 54 Fälle (13 HIV-Infektionen, 41 Aids-Erkrankungen), bis jetzt 15 verstorben
  • Die übrigen Bezirke sind nur anhand der Gesamtzahl der Fälle identifiziert: Ngada 18 Fälle, Flores Timur 11 Fälle, Ende, 7 Fälle, Manggarai Barat 3 Fälle
Laut dem Bericht wurde die Krankheit im Jahre 1997 von einem Heimkehrer ostflorinesischer Herkunft aus Malaysia eingeschleppt.

Durchfallerkrankungen

Laut einem Bericht in der Flores Pos vom 15. September geht die Zahl der Durchfallerkrankungen in Manggarai Barat zurück. Dies führte einer der Ärzte vom örtlichen Volksgesundheitszentrum (puskesmas) in Labuan Bajo auf das gestiegene Bewußtsein in der Bevölkerung zurück. Das Gesundheitsamt habe in letzter Zeit verstärkt auf Verhaltensänderungen hingewirkt, wie z.B. sich regelmäßig die Hände vor dem Essen zu waschen und nur abgekochtes Wasser zu trinken. Seit August habe es nur 17 Fälle geben, für den Zeitraum vom 17. August bis zum 13. September sogar nur vier.

Nachrichten aus den verschiedenen Regierungsbezirken

Presseschau anhand der Flores Pos der letzten Woche

Im folgenden Nachrichten der letzten Woche aus den verschiedenen Regierungsbezirken, von West nach Ost

Manggarai Barat

Etwa 20 Haushalte aus Labuan Bajo haben illegal Zuflucht auf der Insel Bajo gesucht, nachdem sie von ihrem Vermieter aufgefordert wurden, ihren bisherigen Grund und Boden in Labuan Bajo zu verlassen, da er seinen Besitz an einen neuen Eigentümer veräußert habe. (15.9. 2008)

Manggarai

In Ruteng wurde der Prozeß gegen die Frau des Bezirksparlaments Manggarai aus Krankheitsgründen verschoben. Sie steht vor Gericht unter dem Vorwurf des illegalen Holzeinschlags (illegal logging). (16.9.2008) 

Manggarai Timur

Im jüngsten Regierungsbezirk der Insel laufen die Vorbereitungen für die erstmalige Wahl des Regierungspräsidenten auf vollen Touren. Die Wahlen, die für den 30. Oktober angesetzt sind, haben bisher sieben Kandidatenteams (genannt “paket”) angezogen. Die Zeitung berichtete fast jeden Tag darüber, ich werde hier auf Details verzichten.

Ngada

In Bajawa wurde eine Frau für den Totschlag an ihrem Mann zu nur 4 Jahren Haft verurteilt, da sie nicht beabsichtigt hätte, ihn umzubringen. Dem Zeitungsbericht zufolge hatte sie aus Ärger über die katastrophale wirtschaftliche Lage des Haushaltes auf ihren schlafenden Mann mit einen Hocker eingeprügelt. Als weitere mildernde Umstände wurden angeführt, daß sie für ein Kleinkind zu sorgen habe, bisher noch nie straffällig geworden sei, und gutes und höfliches Auftreten während der Verhandlung an den Tag gelegt habe. (13. 9. 2008)

Nagekeo

Auch für Nagekeo, dem zweitjüngsten Regierungsbezirk der Insel, der gerade seine Wahlen zum Regierungspräsidenten hinter sich gebracht hat, scheint sich die Verselbständigung gelohnt zu haben. Laut einem Bericht der Bezirksregierung hat werden für das Jahr 2008 für 94 Projekte insgesamt 37,6 Milliarden Rupien (ca. 2,72 Millionen Euro) veranschlagt. Dies floß in verschiedene Projekte zum Neubau, Ausbau und Wiederbau von Straßen und Brücken, Drainage- und Irrigationssystemen, Wohnungsbau usw. Nicht alle sind jedoch zufrieden, so werden von einigen Unternehmern Ungerechtigkeiten im Ausschreibungsprozeß beklagt, u.a. auch, daß 80% der Aufträge an Unternehmen außerhalb von Nagekeo gegangen seien (wobei sich so etwas bei gerade neu geschaffenen Regierungsbezirken, die sich ihre Infrastruktur noch schaffen müssen, wohl nicht vermeiden läßt). (18. 9. 2008)

Ende

In Ende wurde für Freitag das Urteil in einem Prozeß wegen Kindesmißbrauch erwartet. Ich habe hier einen Zeitungsbericht von heute über das Urteil. Demnach wurde der Mann, der bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, zu sieben Jahren Haft verurteilt. Seine Ehefrau indes beklagt sich in der Presse, daß sie ohne ihren Mann kaum für vier schulpflichtige Kinder sorgen könne und beschwert sich über die NGO, die den Prozeß ins Rollen gebracht habe, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern. (19. 9. 2008)

Sikka

Für den Vulkan Egon, der ja gerade im April ausgebrochen war, kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Seit letzter Woche zeigt der Vulkan wieder eine verstärkte Aktivität, wenngleich auch nur im kleinen Ausmaß. Dazu gehören kleine Eruptionen und weißer Rauch, der bis zu 25 Meter über dem Krater aufsteigt. Die Anwohner indessen nehmen es gelassen und machen keine Anstalten, ihre Feldarbeit zu unterbrechen. (13. 9. 2008)  

Flores Timur

Im Unterbezirk Lewolema, nordwestlich von Larantuka, auf der der Flores-See zugewandten Seite, ist seit März 2008 ein neues Gebäude für das örtliche Puskesmas (“Volksgesundheitszentrum”, eine Art Außenstelle des Bezirkskrankenhauses, die es normalerweise in jedem Unterbezirk gibt) fertiggestellt, inkl. zwei Diensthäuser für die (meist von außerhalb abgeordneten) Ärzte und Rettungssänitäter. Allerdings konnte es bis heute nicht bezogen werden, da dem Landbesitzer die versprochenen 15 Millionen Rupien an “Betelnußgeld” (uang sirih pinang) noch nicht bezahlt worden sind. Aus dem Artikel geht nicht im einzelnen hervor, was die genaue Verabredung war, aber es ist in Flores üblich, wenn man Leuten für irgend etwas in ihrer Schuld steht, Geldgeschenke zu überreichen. Und um das ganze etwas abzuschwächen, sagt man dann, das Geld sei dafür, daß sie sich Zigaretten oder Betelnüsse kaufen mögen. Ich nehme an, der Landbesitzer hatte sich Geld von der Regierung für die Nutzungsrechte ausbedungen, interessant, daß man auf eine an und für sich freiwillige Zahlung bestehen kann… (18. 9. 2008)